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Incredible India

Vier Wochen Indien nähern sich dem Ende und wir verlassen das Land mit gemischten Gefühlen.

„Incredible India – Unglaubliches Indien“
So lautet der Werbeslogan des Landes. Wir können nur sagen: Passt absolut! Indien ist wirklich unglaublich! Unglaublich laut, unglaublich heiß, unglaublich schmutzig, unglaublich grün, unglaublich lecker, unglaublich farbenfroh und unglaublich voll – von Menschen, Tieren, Autos, Tuktuks und Müll. Einfach unglaublich vielfältig!

Mit 1,21 Milliarden Menschen ist Indien eines der bevölkerungsreichsten Länder unseres Planeten. Das macht sich auf jeder Straße, in jedem Zug und in jeder Schlange bemerkbar. Man muss viel Geduld mitbringen. Indien ist aber auch ein unglaublich großes Land. Die Regionen unterscheiden sich sehr voneinander: von den Bergen im Norden über Wüste bis hin zum grünen Süden mit seinen traumhaften Stränden. Genauso unterscheiden sich auch die Menschen, ihre Mentalität, Kultur, Sprache und Religion voneinander. Egal, welcher Religion die Menschen hier angehören, sie wird sehr intensiv ausgelebt, in jeder Lebenssituation. Das kennt man aus Deutschland so gar nicht und ist sehr faszinierend.

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Gelandet sind wir in Delhi, der Hauptstadt mit ihren 21 Millionen Einwohnern. Wenn man das erste Mal Indien bereist, ist man (oder zumindest wir) mit dieser Stadt vollkommen überfordert. All die Autos, der Müll und die Menschen, die etwas verkaufen wollen. Das war einfach zu viel. Deshalb haben wir versucht, so schnell wie möglich die Stadt zu verlassen und nahmen den Zug nach Jaipur. Auch hier war uns alles noch etwas zu viel. Ein Tag Sightseeing und es ging weiter nach Agra, wo das Taj Mahal auf uns wartete. Auf jeden Fall ein Highlight, wenn auch ziemlich überlaufen. Nachdem dieser Punkt der Liste abgehakt war, ging es endlich in den Süden zu den Stränden, von denen wir wegen der unglaublichen Hitze schon die ganze Zeit träumten. In Goa hatten wir eine schöne Zeit an den Stränden. Goa kann man aber nicht zu Indien zählen, es ist eher das Mallorca der Inder 😉 Von dort aus fuhren wir weiter über Alleppey nach Amritapuri, wo wir ein paar Tage in Ammas Ashram verbrachten und nach Kollam, dem Tor zu den Backwaters. Besonders angetan hat uns das sympatische Küstenstädchen Varkala, wo sich mit Yoga und Wellenreiten die Tage entspannt angehen ließen. In Chennai verbrachten wir noch ein paar Tage in einer Großstadt, bevor es zurück nach Delhi ging. Die Hauptstadt, die wir zu Beginn unserer Reise fluchtartig verlassen hatten und als eher negativ beschrieben hätten, hatte sich scheinbar in den vier Wochen unserer Abwesenheit gewandelt. Oder waren wir es etwa, die sich geändert hatten? Die Straßen waren nicht mehr so hektisch, die Verkäufer, die einem ständig etwas andrehen wollten nicht mehr so lästig und das Elend nicht mehr so schockierend. Man kann fast sagen, wir haben uns eigentlich ganz wohl gefühlt. 

Insgesamt hat uns auf unserer Route der Süden am Besten gefallen. Dort war die Natur schöner und die Menschen herzlicher. Der unangenehme Beigeschmack, den wir im Norden hatten, fehlte hier. Weniger Müll, kaum würgereizauslösender Gestank und keine Menschen, die mutwillig Touristen hereinlegen wollen. Wir erlebten durchweg freundliche Menschen, die halfen wo sie nur konnten. Unser schönstes Erlebnis war ein Mann, den wir im Bus trafen. Tuncay gab ihm ein paar Chips, was zur Folge hatte, dass er uns mit Geschenken überhäufte, seine Hände küsste und beim Aussteigen gefühlte fünf Minuten dem Bus hinterherlief und uns gewunken hat. Einfach nur herzens gut.

Unser Indienaufenthalt wurde begleitet von einigen Hygienetiefs, wenn man einen Blick in eine Küche erhaschte oder wenn das Hotelzimmer mal kein Fenster hatte und bei der Abreise alles miefte. So gab es ein paar schlechte Tage, an denen man sich fragte, wer zur Hölle auf die Idee kam nach Indien zu fahren. Aber auch genügend gute, die uns alle Strapazen wieder vergessen ließen.

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Das Essen war definitiv ein Highlight, vor allem für uns Vegetarier. Es brauchte einige Zeit, sich an die scharfe Würzung zu gewöhnen (vor allem für Elena). Aber uns wurde nie langweilig, es gab immer eine tolle Auswahl an vegetarischen Speisen. Paneer (Käse), Naan (Brot), frische Säfte, Kokosnüsse, unglaublich leckere Törtchen. Wir hatten keine Probleme mit dem Magen, waren aber angesichts der Fleischlagerung (offen, bei 30 Grad, mit Fliegen garniert) froh, Pflanzenfresser zu sein.

Einkaufen kann man in Indien auch unglaublich gut, für uns ist alles verhältnismäßig günstig. Ob in einer Shoppingmall mit festen Preisen oder auf dem Bazaar, wo zu Beginn oft der 5-fache Preis verlangt wird – Shopping macht hier viel Spaß. Elena hat vor allem der indische Kleidungsstil sehr gefallen, die Saris und langen Oberteile, die in allen Farben und Verzierungen daher kommen. Die Inderinnen sehen darin mit ihrer braunen Haut so schön aus. Der Kleidungsstil der Männer ist dagegen meist eher langwelig und zweckmäßig. Eine Hose am Straßenrand konnte man für 3€ kaufen, in der Shopping Mall (vergleichbar mit unseren Geschäften in Deutschland) kostet qualitativ hochwertigere Kleidung etwas mehr. Ein traditionelles Oberteil für Frauen bekommt man ab 8€. Ein Essen kostet in einem Touristenrestaurant um die 3€, in einem kleinen Lokal, das eher selten einen Touristen zu Gesicht bekommt dagegen ca. 50 Cent, dafür bekommt jeder das Gleiche und das in Unmengen. All you can eat quasi, auch genannt Thali. Für Unterkünfte haben wir 2-6€ p.P. gezahlt und Langstreckenzüge (längste Fahrt 36 Stunden) haben nie über 25€ gekostet. Busse haben über längere Strecken von 1-2 Stunden um die 20-50 Cent verlangt. Ebenso der Nahverkehr. Tuktukpreise variierten sehr stark, je nach Region.

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Indien ist ein unglaubliches Land, das alle Sinne fordert – nahezu überfordert. Unsere westliches Riechorgan kann kaum auseinanderhalten, was es gleichzeitig aufnehmen muss. Leckere Masaladüfte, den Geruch von geräucherten Opfergaben, die Kuh an der der nächsten Straßenecke und die Ausdünstungen der unzählbaren Menschen rundherum. Auch die Augen können kaum glauben, was sie da vorgesetzt bekommen. Alte wunderschön verzierte Tempel, grüne Oasen, Farben und Lichter überall und das ständige Gewusel von Mensch und Tier. Aber auch Straßenkinder, die für etwas Geld Kunststücke aufführen und behinderte Obdachlose, die auf der Straße schlafen. So viel schönes und trauriges zugleich, das verarbeitet werden muss. Die Ohren müssen versuchen, das ständige Hupen und Geschrei der Straßen zu überhören und sich dafür den schönen Geräuschen zu widmen. Die Gesänge und Mantren der Tempel sind wunderschön und sehr berührend. Die Haut ist völlig überreizt. Sie wusste vorher nicht, dass sie so viel schwitzen kann und muss damit erst mal klar kommen. Die unhygienischen Zustände machen ihr ebenfalls zu schaffen, es juckt überall. Eine Dusche hilft da kaum, die Wasserqualität variiert sehr.
Der Geschmackssinn ist definitiv der Gewinner in dieser Runde. Er darf all die Köstlichkeiten der indischen Küche kennenlernen und wurde nur äußerst selten enttäuscht. Er wird Indien am meisten vermissen.

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Indien war eine spannende Erfahrung, die uns mit Sicherheit geprägt hat. Wir sehen vieles nun mit anderen Augen. So manch Luxusproblem hat an Bedeutung verloren. Wir schließen nicht aus noch einmal wieder zu kommen. Dann würde auf jeden Fall der Norden (Berge), Varanasi und noch einmal der Süden auf dem Programm stehen.

Wir sitzen gerade im Flieger nach Bangkok und sind total gespannt, was uns erwartet. Das macht den Abschied leichter 🙂

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Comments

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    • Doro Klopfer
    • 8. Dezember 2013
    Antworten

    Es macht grossen Spass eure Berichte zu lesen:es ist ein bisschen als ob ich selbst verreise.Hoffentlich geht Alles gut in Bangkok.
    Alles Liebe

    • Basti
    • 2. Dezember 2013
    Antworten

    Schöne Zusammenfassung von good old india
    Hoffe in BKK gibts keine Probleme mit den ganzen Demos
    Liebe Grüße

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